pw.zhl-ubt.de · Podcast

Plötzlich
Walküre.

Drei Folgen über die Entstehung des Stücks – Musik & Text, Bühnenbild und Probenprozess. Jede Folge lässt sich anhören und als barrierefreies Transkript nachlesen.

Folge 1 · 28:00

Musik und Text

Wie Musik und Text von „Plötzlich Walküre“ entstanden sind – Gespräche mit dem Konzeptionsteam über Arbeitsprozess, musikalische Proben und Vorbilder.

Transkript lesen Barrierefreie Textfassung der Folge

Host Hallo und herzlich willkommen zu der ersten richtigen Folge unseres Podcasts. Wir sind Katharina, Luca und Judith und in dieser Podcast-Reihe schauen wir vertiefend auf die Produktion von Plötzlich Walküre und geben auch generell einen Einblick, wie Bühnenaufführungen entstehen. Es werden im Laufe der Folgen immer mal wieder Interview-Ausschnitte vom künstlerischen Konzeptionsteam, bestehend aus Annabel Strobl, Jonas Würdinger und Nic Schilling, reingeschnitten, weil die natürlich nochmal einen besseren Überblick über das Projekt haben als wir. Heute gehen wir intensiv auf das Thema Musik und Text ein. Das wäre erstmal wichtig, würde ich sagen.

Host Ja.

Host Es wird ja gern mit den Begriffen Komponist und Librettist herumgeworfen. Wollen wir vielleicht zu allererst mal diese Begriffe klären?

Host Also, ein Librettist ist eigentlich ein Autor. Meistens haben die sich an irgendwelchen bereits bestehenden Stoffen inspiriert, zum Beispiel Mythen, Märchen oder Geschichten aus Büchern. Und der oder die Komponistin hat die Musik für den Text geschrieben, also festgestellt, wie gesungen werden soll oder wann welches Instrument spielt.

Host Obwohl sich die genaue Rolle von Librettisten und Komponisten natürlich verändert hat. Zu den Anfängen der Oper im 17. Jahrhundert war es ja üblich, dass ein Werk beim Librettisten in Auftrag gegeben wurde und der Text dann eben an einen Komponisten gegangen ist, der dann so schnell wie möglich das in Musik umgesetzt hat.

Host Es wurde sich also erst der Text und dann die Musik ausgedacht.

Host Genau, da gab es also eine sehr klare Trennung zwischen Musik und Text und den Personen, die sich damit beschäftigen. Das hat sich dann mit der Zeit verändert. Mir fällt da direkt Mozart ein, der für seine Opern im regen Briefverkehr mit seinen Librettisten stand und bis auf die letzte Minute noch einzelne Worte ändern ließ, damit alles so wird, wie er es will. Oder Wagner, der, perfektionistisch wie er ist, seine Libretti lieber gleich ganz selbst geschrieben hat.

Host Im Laufe der Zeit wurde also die Zusammenarbeit und das Zusammenspiel von Text und Musik immer enger. Und deswegen bildeten sich auch oft Teams oder Duos aus Komponierenden und Librettisten, die einander menschlich und künstlerisch irgendwie gut verstanden haben.

Host Zum Beispiel Mozart und Da Ponte, oder?

Host Aber trotzdem war es ja so, dass eine Person für die Musik und eine Person für den Text zuständig war.

Host Genau, das ist heutzutage oft auch nicht mehr so. Bei uns, also Plötzlich Walküre, war das zum Beispiel ein bisschen anders. Wir hören mal rein.

Interviewpartner Ja, also in der Aufgabenteilung, wie gesagt, arbeiten wir grundsätzlich relativ aufgeteilt. Also, es arbeiten alle in allen Positionen ein Stück weit, aber wir haben eben unsere Fokuspunkte. Und gerade beim Thema Musik und Text, also Text im Sinne von Sprechtext, liegt, würde ich sagen, eher bei euch beiden – mit einer dramaturgischen, lektorierenden Perspektive und auch einer Autorschaft von dir und einer, also ich sage mal, auf die positivste Art chaotisch-kreativen Perspektive von dir. Und ich wirke auch mit am Buch, aber mein Fokus liegt dann vor allem darin, dass, wenn dann viele Dinge zusammenkommen, sowohl musikalisch als auch textlich, es am ehesten, würde ich sagen, meine Aufgabe ist, das dann zu fixieren, auch eben in Notensatz und für die Instrumente und für die Chorsätze. Einspieler – Nic Schilling: Wobei das Libretto da eben, wie du gerade sagst, auch sehr zusammensteht. Zum Beispiel, wir haben jetzt den letzten Song, den wir jetzt gerade geschrieben haben, haben wir auch sehr viel einfach gemeinsam gebrainstormt. Was soll da rein? Das hat einen Kanon, der entstanden ist. Und da kam der Text jetzt sehr eben beidseitig in dem Moment von uns. Bei anderen Songs kam das Material dafür wiederum inhaltlich von Jonas. Das heißt, so ist es, dass da auch die Sachen sehr so entstehen. Aber sozusagen die Fixierung an der Stelle normalerweise da.

Interviewpartner Also spätestens wenn es ans Notensetzen und Arrangieren geht, ist Nic auch einfach 8000 Mal effizienter als wir. Genau, und ansonsten bei den Stücktexten sozusagen: Also bisher war es so, dass konkrete Szenen, die eher so Dialoge sind, am ehesten jetzt von mir kamen bisher – das kannst du aber auch noch im Prozess ändern –, und von Jonas gerade vor allem so in Gruppenszenen sehr viel so an Textfragmenten kamen.

Interviewpartner Ich schreibe tendenziell gerne Textflächen, die quasi in der Inszenierung einfach auch viel Raum bieten, dann eben alles Mögliche draufzusetzen, was einfach unterschiedliche Ansätze sind. Aber auch die, wie gesagt, ergänzen sich und schließen sich nicht aus, was total schön ist.

Host Okay, also bei der Textarbeit zumindest übernehmen alle irgendwie alles. Das ist ja auch eigentlich eine ganz gute Strategie. Dann ist nicht die ganze Verantwortung auf einer Person und alle können so ein bisschen kreativen Input geben.

Host Bei uns ist das mit der Textarbeit sowieso eher besonders.

Host Genau. Das Thema und der dramaturgische Verlauf von Plötzlich Walküre wurden ja unter der Anleitung von Annabel und Jonas von uns, also den Studierenden, in mehreren Workshops entwickelt.

Host Ja, das fing alles so an, dass wir erstmal Assoziationen zu Wagner und den Festspielen gesucht und auf riesigen Plakaten gesammelt haben. Und dann haben sich im Laufe der Workshops immer festere Szenen entwickelt, die wir dann teilweise sogar schon szenisch proben konnten, weil wir dann schon eine erste Fassung des Textes hatten sozusagen.

Host Normalerweise steht der Text ja vor Probenbeginn. Bei uns nun, wie gerade erwähnt, nicht, und es war auch von Anfang an klar: Eine vollständige Textfassung kommt erst irgendwann vor den Endproben. Wie fandet ihr das?

Host Naja, also tatsächlich war ich da gar nicht so unentspannt, weil ich das schon öfter erlebt habe, sowas, dass man halt kurz vor knapp noch irgendwie alles richten musste, und es hat meistens funktioniert.

Host Also ich fand und finde es ein bisschen gruselig. Also als Nebenrolle muss ich jetzt persönlich nicht so viel Text lernen, aber ich glaube, für unsere zwei Solistinnen, Lisa Marie Hanselmann und Josefine Oerst, könnte das ganz schön sportlich werden.

Host Wir hatten ja eine ganze Weile zwischen unseren Workshops.

Host Erklär das mal bitte kurz.

Host Naja, also wir haben uns alle paar Monate getroffen und dann zwei Tage intensiv am Stück gearbeitet. Dementsprechend war zwischen [den Workshops] immer eine Weile Zeit, und da konnte man auch meinen, in der Zwischenzeit wohl nur [?] gefallen ist, aber nein, ich wurde auch abgeschuftet.

Host Wie kann man sich die Arbeit an Musik und Text unabhängig von unseren Workshops vorstellen?

Interviewpartner Wir haben so alle paar Wochen bis Monate, je nachdem, was gerade so der Stand ist, treffen wir uns gemeinsam einmal und sprechen gemeinsam durch, was jetzt wir als nächstes machen wollen. Wir aktualisieren sozusagen immer unser Dokument mit der Handlung, und jetzt haben wir das Letzte, das haben wir jetzt gerade eben in gesamten Szenen noch mal ganz festgemacht: welche Szene kommt wann, in welcher Szene kommen Songs und Dialog vor, was wollen wir abhandeln und ausrollen. Und dann setzen wir uns eben separat an die Szene, legen fest, wer arbeitet jetzt an welcher Szene, wer arbeitet wem zu, und dann haben wir sozusagen – ich habe immer jeweils uns geupdatet, wenn wir was geschrieben haben, haben dann im Dokument draufgeschaut, da eben teilweise Kommentare gemacht, Sachen umgeschrieben. Das heißt, wir arbeiten dann immer so ein bisschen gemeinsam in so Iterationen sozusagen daran, an den Texten.

Interviewpartner Arbeiten wir nicht auch schon, wie gesagt, halt asynchron und kommen dann immer wieder zusammen und updaten uns, machen dann auch kleine Lesungen untereinander. Das ist immer schön, wenn wir mit den Studierenden arbeiten, wenn wir mit mehr Leuten als uns drei die Texte lesen können. Und genau.

Interviewpartner Genau. Und ich glaube, wir haben ja diese improvisierten Szenen aus den Workshops teilweise, oder in den meisten Fällen, auch eben mit einem Handy mitgefilmt, dass wir das natürlich als Inspiration auch haben, dass wir da schauen: Übernimmt man teilweise vielleicht sogar einzelne Fragmente wörtlich, nimmt man irgendwelche Sachen inhaltlich? Und eben an der Stelle ist das Material eben – es gehört uns allen, also nicht nur uns drei, sondern es ist iterativ entstanden, und wir sind eigentlich eher diejenigen, die es sortieren, aufräumen und eben in eine probbare Form bringen. Und dann natürlich die Musik ergänzen, die dann an den meisten Stellen jetzt doch im Nachhinein landet, wo auch schon musikalisches Material entstanden ist, was wir auch noch weiter einfließen lassen werden auf jeden Fall. Aber natürlich gerade bei Musik ist es nochmal ein bisschen anders als bei Sprechtexten. Es ist schwieriger, das improvisativ zu erstellen, weil es einfach strukturell, handwerklich anders funktioniert. Und dadurch ist da schon natürlich auch einfach handwerkliches Songwriting und Komponieren Teil dieses Prozesses.

Host Wo ich mir vorstellen kann, wo quasi noch Bälle hin und her gespielt werden, ist dann beim Bandklang.

Interviewpartner Ja, wo wir dann eben auch in der Endprobenwoche uns explizit die Zeit nehmen, zu sagen: Wir haben hier jetzt einen halben oder ganzen Tag, wo wirklich auch die Band mal Zeit hat, zusammenzukommen, einen Bandklang zu entwickeln und den dann eben mit dem Chorklang wiederum zusammenzusetzen und in die Solostimmen.

Host Ja, auf die Musikproben freue ich mich auch schon sehr. Ich werde ja auch ein Stück mit singen und mit rappen. Und wenn ihr das jetzt hört, dann wisst ihr wahrscheinlich schon, wie gut ich mich eingestellt habe. Ich hoffe natürlich, ich habe das alles sehr professionell über die Bühne gebracht.

Host Wir nehmen diesen Podcast ja einige Wochen vor der Aufführung auf, damit ihr direkt nach der Premiere was zu hören habt. Und deswegen können wir hier noch gar nichts über die musikalischen Proben sagen. Aber das hört ihr dann in einer anderen Folge. Und da wir mit Annabel, Nic und Jonas so ein wahnsinnig tolles Konzeptionsteam haben, kann das ja auch nur fantastisch werden.

Host Normalerweise sind musikalische Proben ja aber vor den szenischen, richtig?

Host Genau. Du hast natürlich unterschiedliche Arten von musikalischen Proben. Es gibt Orchester- bzw. Bandproben, die schon vor der aktiven Probenphase beginnen. Dann gibt es Chorproben, die eigentlich auch immer davor stattfinden. Und dann halt Proben mit den Soli. Und das ist normalerweise immer alles vor den szenischen Proben, damit in den szenischen Proben dann wirklich alles gestellt werden kann und Text und Musik schon an alles irgendwie sitzt, damit das Stück dann langsam szenisch zusammenkommt. Und dann, wenn das Stück langsam szenisch zusammenkommt, gibt es zumindest in der Oper – im Musical kenne ich mich da leider nicht so gut aus – eine sogenannte musikalische Sitzprobe, beziehungsweise mehrere musikalische Sitzproben, und dann findet es zum ersten Mal statt, dass Chor und Soli und Orchester zusammenspielen. Aber sowas kommt natürlich auch total auf die Größe und Art des Projekts an.

Host Genau. Nutzen wir dort die Gelegenheit und finden heraus, wie unsere musikalischen Proben geplant sind.

Interviewpartner Die musikalischen Proben organisieren wir auf unterschiedliche Weise, was tatsächlich recht schwierig ist. Wie gesagt, dadurch, dass fast alle Studierenden, die mitwirken, verschiedene Rollen haben, passiert es recht oft, dass, wenn wir musikalisch proben, und die allermeisten sind im Chor dabei, es dann schwierig ist, den Rest der Studierenden zur gleichen Zeit auf eine andere Art zu beschäftigen. Da haben wir jetzt verschiedene Möglichkeiten gefunden, aber einfach da die Zeiteffizienz zu nutzen, ist tatsächlich sehr essentiell. Das heißt auch, dass unsere musikalischen Proben oft sehr klar und gut strukturiert sein müssen, damit wir da auf keinen Fall Zeit verschwenden. Einspieler – Nic Schilling: Und die Band kommt jetzt so ein bisschen stückchenweise nach und nach dazu, wird vor allem in der Endprobenphase intensiv dann dabei sein. Aber ich denke, also, was jetzt auch noch passieren wird, ist, wenn die Stücke dann entstehen, dass wir vielleicht auch MIDI-Aufnahmen oder sowas teilen, dass wir nochmal Aufnahmen von dem, wie wir es gesungen haben, gemeinsam teilen und die Studierenden sich das teilweise selbst nochmal anschauen, um das zu festigen, wenn sie sich irgendwo unsicher fühlen. Aber im Großen und Ganzen ist es, denke ich, ein – also, die Songs sind auch nicht, die Nummern sind auch nicht so schwer, dass es ja ein ganz, ganz komplexer Probenprozess ist, sondern es ist ja auch da, es steht im Vordergrund, dass sich der Inhalt überträgt. Und ich glaube, gerade bei diesem Stück geht es da nicht unbedingt um handwerkliche Finesse, sondern mehr darum, dass wir mit allen gemeinsam in dieses Gefühl reinfinden. Und das, glaube ich, funktioniert bisher schon wunderbar.

Interviewpartner Nic hat ja lange in dem Unichor in Bayreuth auch geleitet und da, glaube ich, viele Erfahrungen mitgenommen, wie man eben, gerade auch auf einer Vokalebene, auch mit Menschen, die eben auf unterschiedlichen technischen Ständen sind, was Gesang angeht, relativ schnell einfach effizient an einen guten gemeinsamen Gesamtklang kommt.

Host Okay, das klingt doch schon sehr beruhigend. Wie gesagt, in einer anderen Folge werdet ihr mehr über die Endprobenphase und die musikalischen Proben erfahren. Aber jetzt wieder zum Thema Musik und Text. Habt ihr schon vor Plötzlich Walküre in einem Theaterprojekt mitgewirkt, bei dem ihr selbst den Text und die Musik erarbeitet habt?

Host Tatsächlich häufiger im Darstellenden Spiel in der Oberstufe. Und ich habe auch schon an einem Theaterstück mitgearbeitet, wo man ganze Textteile austauschen musste, weil das schon 30 Jahre alt war und man manche Dinge so nicht mehr auf die Bühne bringen konnte. Aber so wie jetzt habe ich das tatsächlich noch nicht mitgemacht.

Host Und in Darstellendem Spiel habt ihr einfach so ein Thema gehabt und dann habt ihr euch dazu was ausgedacht, oder wie ist das gelaufen?

Host Zum Beispiel als Klausurfrage teilweise, dass man einen kleinen Text bekommen hat, so einen kleinen Prompt, zu dem man was sich ausdenken musste, was man ein bisschen erweitern musste, wo man auch noch weiter was dazu schreiben musste. Oder in der Schule haben wir in Musik mal einen Text bekommen, zu dem wir instrumentieren sollten.

Host Also ich habe im Theater Junge Generation in Dresden in verschiedenen Produktionen mitgewirkt, und bei einer, da war das Oberthema Druck, und da haben wir auch ganz unterschiedliche Sachen ausprobiert. Da ist es so, dass du eine Dramaturgin hast und noch eine Person, die das Stück begleitet, und dann macht man so ganz viele Assoziationsspiele und, also, eigentlich so ein bisschen, wie wir das bei Plötzlich Walküre gemacht haben, und dann baut sich daraus irgendwie der Text zusammen. Und die tatsächliche Textarbeit übernimmt aber auch, wie bei uns, die professionellen Leute sozusagen, also das Konzeptionsteam, die Dramaturgin und so.

Host Wir haben also alle eher Erfahrungen mit assoziativeren und intuitiveren, eher freieren Theaterproduktionen. Man kann aber natürlich auch anders vorgehen. Man kann zum Beispiel erst die Nummern festlegen, dann den Text schreiben und diesen dann vertonen. So wie das früher zu den Anfängen der Oper gemacht wurde. Oder man macht sich einen dramaturgischen H[andlungsbogen] [?], also eine H[andlung] [?], und fängt dann an zu komponieren und findet darüber den Text. Oder, ganz verrückt, man schreibt erst die Songs und baut sich dann eine dramaturgische Handlung.

Host Es gibt definitiv verschiedene Strategien, um ans Ziel zu kommen.

Host Man kann natürlich immer erst an der einen Sache arbeiten und dann darauf aufbauen. Also nach einem klaren Aufbau alle Nummern einzeln abarbeiten sozusagen. Oder eben nicht.

Host Ich frage euch jetzt vielleicht, wie organisiert das bei uns zugegangen ist oder ob es bei uns auch eine klare Reihenfolge gab. Und darauf gibt es eine klare Antwort.

Interviewpartner Nein. Ich glaube tatsächlich, was immer zuerst kommt für uns, ist, wir sagen, was wollen wir irgendwie von der Szene. Aber das kann ein inhaltlicher Punkt sein, so etwas wie: In der Szene setzen wir uns damit auseinander, dass alle bei den Festspielen ankommen. Oder es kann so etwas sein wie: Wir wollen hier eine Form von Shanty haben, die vom Holländer inspiriert ist. Oder eben ein "Hier kommt die große Musikballade" oder sowas. Das heißt, dass wir immer schon so einen Ansatzpunkt haben von: Was ist der Punkt der Szene sozusagen so im Stück. Ob dann Text oder Musik zuerst kommt, hängt natürlich davon ab, was der Punkt der Szene ist, ob wir quasi was Musikalisches konkret wollen mit der Szene oder ob wir einen Inhaltspunkt machen wollen oder ob es ein emotionaler Punkt in der Geschichte ist. Das heißt, abhängig davon entsteht ein Material zuerst, aber sozusagen das Ziel der Szene ist schon immer der Anfang zurzeit, glaube ich. Einspieler – Leitungsteam: Wir haben aktuell auch einfach ganz viele verschiedene Inspirationen drinstehen, wo man sagt: hey, an der Stelle könnte jetzt zum Beispiel irgendwas angelehnt an Lohengrin, oder hier haben wir den Tango de Roxanne, mit dem dann bitte irgendwann doch ein Walküren-Tango ersetzt wird, und so weiter und so fort. Und wir dann eben sagen: Das soll an der Stelle, also das soll der Vibe sein.

Interviewpartner Genau. Innerhalb der Songs kann es alles Mögliche sein. Es steht meistens zuerst auch da der Gedanke: Was will dieser Song aussagen, wo will diese Musik hin. Und dann hatten wir schon beides. Manchmal steht zuerst eine Melodie, manchmal steht zuerst eine Harmonie, manchmal steht ein Wagner-Zitat und dann heißt es, da drumherum soll irgendwas passieren musikalisch. Und manchmal steht eben auch eine Textzeile oder vielleicht eher etwas Lyrisches, was dann vertont wird. Also da gibt es jede Richtung, und das kommt total darauf an, gerade bei so einem Stück wie dem, wo jetzt wirklich die verschiedensten Stile und die verschiedensten Formen durcheinanderfliegen – da ist es total individuell, was zuerst kommt.

Host Also bei uns war praktisch alles dabei, von der Melodieidee bis zum Handlungsziel, und daraus entwickeln sich dann ganze Szenen und Songs. Aber sprechen wir nochmal ein bisschen genauer über den Inhalt. Ein großes Ding, wenn man irgendwas schreibt oder komponiert, sind ja auch Inspirationen oder Vorbilder. So wie Wagners Rienzi, der übrigens diese Spielzeit zum ersten Mal bei den Bayreuther Festspielen gespielt wird, von Handlung und Form sehr stark an den französischen Grands Operas seiner Zeit inspiriert ist. Oder dass Opernkompositionen an der Musik einer bestimmten Region inspiriert sind, zum Beispiel einige Nummern aus Carmen an spanischen Tänzen oder die Komposition von Madama Butterfly nach japanischer Volksmusik, oder zumindest Puccinis Interpretation von japanischer Volksmusik. Manchmal werden sogar ganze Melodien aus anderen Stücken geklaut. Obwohl man dann natürlich nicht mehr so richtig von Inspiration sprechen kann. Aber als Inspiration für ein anderes Kunstwerk zu dienen, kann natürlich auch ein sehr großes Kompliment sein.

Host Genau, es gibt ganz oft Hommages, also Tribute an zum Beispiel verstorbene KünstlerInnen oder Komponistinnen und Komponisten, die Werke weiterverarbeiten, weil sie so inspiriert davon sind. Mir fällt ja direkt Clara Schumann mit den Variationen über ein Thema von Robert Schumann ein.

Host Natürlich haben wir auch unser Konzeptionsteam nach ihren Inspirationen gefragt.

Interviewpartner Ich glaube, wir haben sehr viele Vorbilder und Inspirationen in der Musik hier bei diesem Stück. Das ist natürlich zum einen offensichtlich Wagner, ich glaube, das ist das Naheliegendste. Aber außerhalb davon haben wir sehr viel – gerade weil wir zum Beispiel gesagt haben, wir wollen uns ja auch an diesem Thema Musical, aber auch Musical-Film ein bisschen abarbeiten, gerade weil wir ja diesen Revue-Kontext ein bisschen in verschiedenen Genres auch spielen. Da haben wir zum Beispiel, neben der auf der inhaltlichen Ebene dieser Teenie-Film-Inspiration, auch zum Beispiel eine sehr konkrete Referenz zu Singing in the Rain mit drin. Nicht auf musikalischer Ebene, sondern eher auf szenischer Ebene dann tatsächlich. Und wir haben an vielen Momenten, dass wir musikalisch sagen, hier soll es zum Beispiel so eine typische Sondheim-Pattern-Nummer werden oder hier soll es ein Shanty werden. Dass wir immer sagen, wir haben ein bisschen ein musikalisches Vorbild für jeden einzelnen Song sozusagen auch. Oder eine Motette oder Kantate. Das heißt, wir wollen sozusagen auch so ein bisschen verschiedene Inspirationen für jeden Song finden, um da diese große Vielfalt zu haben, und haben auch sehr viel Spaß, uns daran gerade so ein bisschen abzuarbeiten und immer neue Ansätze zu finden, immer neue musikalische Richtungen, die wir nutzen können, um auch einen bestimmten inhaltlichen oder auch einfach gerne auch komödiantischen Punkt zu machen.

Interviewpartner Wir schöpfen da aus unserem ganz persönlichen Kanon, also eben gerade in der Skripterstellung oder auch wenn wir darüber sprechen, ist es ganz oft so, dass man sagt so: hey, wir waren noch mal zusammen in London, haben da dieses Musical gesehen, erinnerst du dich an diese konkrete Szene? Wir machen das genauso. Oder eben auch hier, es gibt doch da den Film und da könnten wir das – also, eigentlich ist es ein wildes Zusammenklauen.

Interviewpartner Ja, das klingt wirklich sehr nach Klauen gerade.

Interviewpartner Also, es ist schon wirklich – wir haben jetzt nirgendwo irgendwie Text oder Musik direkt übernommen, außer eben von Wagner, wenn wir wirklich bewusste musikalische Referenzen machen. Sonst ist es sehr viel ein "Was ist denn stilistisch, was die Szene macht, wie können wir das?" Es ist eher so ein: Diese Szene hat dieses Gefühl in uns ausgelöst, und dieses Gefühl wollen wir weitertragen.

Host Was sind denn eure Inspirationen?

Interviewpartner Ich habe viele.

Interviewpartner Ja, meine Mutter.

Interviewpartner Oh, das ist süß.

Interviewpartner Michael Jackson.

Interviewpartner Ja, meine musikalischen Vorbilder auf jeden Fall Father John Misty, Elton John, David Bowie hat mich auch viel beeinflusst und Falco, definitiv.

Interviewpartner Ich liebe Yuja Wang und Khatia Buniatishvili. Geile Pianistinnen beide, und tragen auf der Bühne, was sie wollen, und passen sich gar nicht so an diesen Kleidungszwang an, den man ja auf dem Konzert hat. Das finde ich beeindruckend.

Interviewpartner Ja, so Sonya Yoncheva.

Host Also, wie ihr gerade gehört habt, ist es ganz schön schwierig, auf Knopfdruck gute Inspirationen aufzuzählen. Ich bin mir auch sehr sicher, dass mir gleich noch ganz, ganz viele einfallen werden. Aber egal. Was mich allerdings brennend interessieren würde, sind eure Inspirationen. Also von euch, die ihr gerade zuhört. Egal ob Weltstar, Verwandter oder random Personen aus dem Supermarkt. Schreibt gerne in die Kommentare, was oder wer euch so inspiriert. Wir sind sehr gespannt.

Host So, nun haben wir eine Theorie im musikalischen Text [?]. Aber was fehlt, sind die Menschen, die sich auf die Bühne stellen und Text und Musik vortragen.

Host Genau, und das war auch irgendwie ganz kurios bei uns, weil bis zum vorletzten Workshop eigentlich gar nicht so richtig feststand, wer alles fest mitmacht.

Host Genau, normalerweise ist es ja so, dass in der Partitur, also den Noten für ein Stück, die ganze Besetzung, also alle, die im Orchester mitspielen oder auf der Bühne stehen, festgelegt sind.

Host Ja, und selbst wenn es noch keine Partitur gibt, hat man meistens wenigstens ein festes Orchester oder eine Bandbesetzung, mit der man planen kann. Das war bei uns ja ganz anders.

Host Ich erinnere mich daran, dass wir, glaube ich, zwischendurch mal eine Geige hatten. Aber die ist uns irgendwie abhandengekommen, und das ist irgendwie mit vielen Instrumenten passiert. Also, es hat gespielt, was irgendwie da war, wenn wir musikalisch geprobt haben. Und ja, dann wurde so ein bisschen gefreestyled. Und ich bin ja auch erst bei der letzten Probe am Bass dazugekommen.

Host Ja, genau. Und es ist natürlich irgendwie schwierig, Musik zu schreiben, wenn du gar nicht weißt, was für Instrumente du am Ende hast. Aber fragen wir doch mal Nic dazu.

Interviewpartner Es ist sehr schwierig, Musik zu schreiben, wenn die Band noch nicht so richtig steht. Aber wir schreiben aktuell viel einfach an Grundstruktur und an Chorsätzen, weil da wissen wir, dass das da sein wird. Und alles andere – es gibt jetzt auch bei einigen Nummern schon Arrangements auch für andere Instrumente, auch einfach damit wir jetzt ein bisschen ausprobieren können, weil jetzt langsam festigt sich das Ganze. Jetzt wissen wir inzwischen einigermaßen, wer da sein wird, und da kann quasi jetzt vieles dazukommen. Das heißt natürlich auch, dass bei einigen Nummern, die jetzt schon existieren, entweder die Instrumente eher eine begleitende Funktion einnehmen oder wir, wenn wir noch solistische Momente wollen, wir die quasi einschieben. Aber das ist auch gar nicht so schlimm, weil die Struktur von den Nummern sowieso relativ frei ist. Also es ist nicht so, dass das total minutiös alles gesetzt ist, sondern dass es einfach eher darum geht, Strukturen und Klangteppiche zu schaffen und einen Band-Sound zu entwickeln, als dass wir jetzt total exakt setzen, wann was passieren soll. Also es wird auch passieren, dass, wenn ein Satz existiert, ich vielleicht sage: okay, spiel mal Takt 4 bis 8 auch nochmal hier und auch nochmal hier, weil es einfach stilistisch gut funktioniert, weil es eben vor allem Spaß machen soll. Und die Sachen, die tiefer gehen, die sind dann an den Stellen gesetzt, wo sie sein sollen, aber dürfen sich auch auf die beschränken, die dann da sind.

Interviewpartner Du hattest es vorhin gesagt: im kühlen Kopf bewahren. Und das ist, glaube ich, ganz wichtig, weil es natürlich, allein durch diesen Prozess bedingt, viele Momente gibt, wo man objektiv behaupten könnte, dass es dort eine Unsicherheit geben könnte. Aber wir wissen, was wir leisten können. Wir wissen, was unsere TeilnehmerInnen leisten können. Und wir wissen, was am Ende stehen wird. Und daher sind wir da verhältnismäßig entspannt, dass bis zu dem Punkt, wo alles fertig sein muss, alles fertig sein wird.

Interviewpartner Genau, und es gehört zum Prozess dazu, dass das Arrangement Last Minute entsteht. Das ist auch gar nicht nur auf uns irgendwie bezogen, sondern ganz konkret: Also quasi alle, die ich kenne, die in diesem Bereich arbeiten, Komposition, Arrangement, gerade im Musiktheater, haben das auch schon so widergespiegelt. Und jetzt zum Beispiel bei Im Auge des Sturms, das letzte Stück, was wir jetzt zusammen gemacht haben, war es auch so, dass das finale Arrangement eigentlich erst zu Probenbeginn, vielleicht sogar ein paar Tage nach Probenbeginn, also wirklich so einen Monat vor Premiere, final stand, weil einfach ganz viel sich dann noch in der Praxis auch leicht verändern kann. Und wenn man eben unsicher ist, auf welche Instrumente noch dazukommen, es einfach Sinn ergibt, es auf eine bestimmte Art anzugehen und diese Freiheit sich zu bewahren.

Host Gut, also es ist normal, dass Text und Musik erst relativ spät stehen. Aber ich freue mich trotzdem, dass wir inzwischen eine feste Band haben.

Host Wir haben jetzt das Wichtigste über Musik- und Textproduktion und die Proben-Situation geklärt, würde ich sagen. Aber in den bisherigen Workshops haben wir auch immer mal Szenen und Musik geprobt, beziehungsweise Szenen gestellt und, naja, halt das, was von der Musik da war, irgendwie so ein bisschen durchgespielt. Und ich bin ehrlich gesagt mal gespannt, was so die Lieblingsnummern bisher von unserem Konzeptionsteam sind.

Interviewpartner Als Szene finde ich die Szene, die wir am Ende des ersten Aktes haben, jetzt sehr, sehr lustig. Da haben wir ein Interview, das sozusagen immer wieder einander unterbricht und damit einfach durch diesen Bruch, der dann irgendwann in eine sehr absurde Richtung geht, einfach eine wahnsinnig lustige Szene geworden ist. Und musikalisch eine Sache, die eben noch nicht jetzt steht: Ich freue mich extrem aufs Finale, soweit wir es haben. Es wird auch nicht eine der letzten Szenen sein, wenn wir eben die endgültige große Verbindung von Musical und Wagner auf der Festspielbühne sozusagen inhaltlich haben. Auf die Szene freue ich mich schon sehr.

Interviewpartner Von Szenen, die wir schon geprobt haben: Wir haben direkt nach der Pause den großen Einzug der Wagnerianer in das Festspielhaus, eben angelehnt an das Motiv Einzug in Walhall aus dem Ring, wo unsere DarstellerInnen auf eine unglaublich tolle Art und Weise da eine Energie mitbringen und wirklich das Publikum in das Festspielhaus zurückrufen. Und an der Stelle hat es fast so etwas Sakrales, aber auf der anderen Seite singen wir halt auch "Die Bratwurst ist bereit", und ich glaube, gerade dieser ständige Bruch mit Erwartungen und das Herstellen von komischen Momenten in einem eigentlich viel zu pathetischen Rahmen ist was, was mir einfach total viel Spaß macht.

Interviewpartner Ich freue mich, glaube ich, vor allem auf den Song, den wir heute zum ersten Mal proben werden. Er heißt Wahnsinn, zumindest aktuell. Mal gucken, ob das noch bleibt. Das ist der Shanty-Kanon. Da bin ich sehr gespannt drauf.

Host Was sind eure Lieblingsnummern bisher?

Interviewpartner Ich mag die Kursszene in der Uni sehr gerne, wo diese Vorlesung über Richard Wagner quasi dargestellt wird, weil da die Harmonien sehr schön sind. Und das macht auch von den Akkorden her Spaß, muss ich sagen.

Interviewpartner Ich finde sehr schön diese Szene, wo die Blauen mit Kissen tanzen. Ja, also ich hatte schon diese Erfahrung als blaues Mädchen. Und ja, ich finde sehr, sehr lustig diese Szene, die Choreografie, ja.

Host Und an die Menschen, die hier gerade zuhören und schon eine Vorstellung besucht haben: Schreibt uns doch gerne, was eure Lieblingsszene oder euer Lieblingsmoment bei Plötzlich Walküre war.

Host Gut, also, ich würde sagen, wir haben heute sehr viel über Musik und Text gelernt, darüber, wie traditionell, also historisch, Musik und Text entstanden ist, welche Personen sich darum gekümmert haben, in welcher Reihenfolge das alles passiert ist, wie geprobt wurde dann damit und so. Und dadurch haben wir auch ein bisschen etabliert, dass Plötzlich Walküre eben ein Projekt, eine Produktion ist, bei der es ganz, ganz anders ist. Was aber, finde ich, sehr gut zum Projekt passt, weil dadurch auch so ein ganz einzigartiger Charme entstanden ist und so viele Einflüsse damit reingeflossen sind, weil, ich meine, jeder Kopf hat irgendwie mitgedacht, jeder hat mitgearbeitet, jeder hat seinen Senf dazu gegeben. Und ja, das führt dazu, dass man super, super viel erfährt und super viele Blickwinkel hat, die auf dieses Projekt schauen, was irgendwie richtig cool ist.

Host Wir hoffen, ihr habt auch viel gelernt und fandet es interessant, worüber wir gesprochen haben. In den nächsten Folgen reden wir über das Bühnenbild und den Probenprozess. Also seid gespannt, da warten auch viele, viele coole Fun Facts auf euch. Und damit wünsche ich euch noch einen schönen Tag, Morgen oder Abend, je nachdem, wann ihr diese Folge hört.

Host Ja, bis bald.

Host Servus und bis dann.

Host Bis dann, tschüss.

Folge 2 · 16:36

Das Bühnenbild

Ein Blick hinter die Kulissen des Bühnenbilds – vom ersten Entwurf bis zur Aufführung im frisch sanierten Friedrichsforum.

Transkript lesen Barrierefreie Textfassung der Folge

[Intro-Musik]

Host Hallo Leute und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Wir sind Katharina, Judith und Luca. In dieser Folge hört ihr zunächst die Meinung von Judith und Luca zum Bühnenbild von Plötzlich Walküre, bevor wir euch Interviews mit Nic, Annabel und Jonas aus dem Leitungsteam sowie mit Marissa aus dem Bühnenbildteam mitbringen.

Host Judith und Luca, was denkt ihr bisher über das Bühnenbild?

Host Also ich habe die Konzepte gesehen und ich bin sehr überzeugt tatsächlich davon, dass das cool aussehen wird, auf jeden Fall. Und es hat auch viel Tiefe, finde ich, bisher – durch die Podeste und so, wie das geplant ist und wie die Band da stehen soll. Ich glaube, das wird cool.

Host Ja, vor allen Dingen dafür – also die Bühne ist ja schon irgendwie relativ klein, und ich hatte ehrlich gesagt ein bisschen Sorge, dass wir da ganz lost aus[?] – also dass wir viel zu viele sind für die Bühne. Aber ich glaube, es verteilt sich sehr gut, und deswegen mag ich auch diese Idee mit den Podesten, weil das auch, ja, wie du sagst, es addet einfach so Tiefen und Höhen.

Host Man muss da natürlich auch dazu sagen, dass wir uns jetzt gerade an einem Punkt befinden, wo wir noch nicht die finale Bühne gesehen haben. Aber ja, die Entwürfe sind bisher sehr cool. Ich mag auch, dass wir so eine Trennung zwischen der linken und rechten Seite haben, die ja auch szenisch ein paar Mal genutzt wird. Das ist auch sehr kreativ. Und natürlich, es wird doch das Festspielhaus auch ein bisschen mit aufgenommen, richtig? In den Materialien und so.

Host Ja, das ist natürlich auch on theme. Also ich bin sehr gespannt, wie die finale Bühne dann aussehen wird. Das scheint ja auch so eine Simultandarstellung zu sein, bisher, wie das geplant ist, und das finde ich eigentlich auch immer echt cool, wenn man das so ein bisschen benutzen kann für sich.

Host Ja.


Host Und jetzt hört ihr ein Interview mit Nic, Jonas und Annabel.

Host Wer kümmert sich um die Bühne, die Entwürfe, und wie werden Entwürfe erstellt?

Interviewpartner Auch das Bühnenbild-Team kommt aus der Mitte unserer Studierenden. Wenn ich es richtig im Kopf habe, sind vor allem Tabea und Marissa da gerade eben in der Hauptverantwortung. Sie haben auch schon relativ zu Anfang des Prozesses verschiedene Ideen mit reingebracht, und wir haben einfach jetzt auch bei den Workshops immer darüber gesprochen: Was erwartet unser Stück jetzt, wo das eben auch sich weiter festigt, was muss an welcher Stelle wo stehen, welche Raumordnungen müssen wir herstellen können? Und gestern hatten wir eben die Besichtigung im Friedrichsforum, wodurch jetzt auch der Raum einfach nochmal wesentlich klarer geworden ist. Und das Ziel für heute ist es, dass wir tatsächlich mal ein Modell – sei es ein physisches oder ein virtuelles Modell – erstellen, wo wir konkret sagen können: So soll das Ganze aussehen.

Host Was ist besonders daran, im Friedrichsforum aufzuführen?

Interviewpartner Also es ist natürlich besonders, im Friedrichsforum aufzuführen, allein deswegen: Nic und ich sind seit 2016 quasi mit Bayreuth verbunden, und wenige Monate, bevor wir gekommen sind, ist das Friedrichsforum zugemacht worden, aus Renovierungsgründen. Und es ist ja quasi unsere Bayreuther Elbphilharmonie, die zehn Jahre gebraucht hat, bis es fertig wurde. Und jetzt, kurz nachdem es fertig wurde, hier ein Stück aufzuführen, fühlt sich so ein bisschen an wie quasi eine logische Vollendung unseres Bayreuther Arcs. Wir kommen noch einmal nach Hause, um es zu vollenden.

Interviewpartner Ja, genau. Und es ist auch einfach ein tolles Haus. Es ist brandneu. Es hat die State[?] Ausstattung auf der Bühne, und es ist, glaube ich, auch eben für die meisten Studierenden einfach eine ganz andere Erfahrung, eben in einem professionellen Haus aufzuführen, was eben ganz andere Möglichkeiten bietet als ein Theaterraum, der ja durch sehr viel, durch Improvisation gekennzeichnet ist.

Host Müsst ihr euch beim Bühnenbild irgendwie einschränken?

Interviewpartner Ich denke, beim Bühnenbild muss man sich immer ein bisschen einschränken, in irgendeiner Form. Es gibt Sachen, die man mitdenken muss, so Sachen wie: Es muss halt alles feuerfest sein. Das klingt wie was Offensichtliches, aber es ist erstaunlich kompliziert manchmal. Und Dinge kosten Geld.

Interviewpartner Die[?] kosten Geld, natürlich auch ein wichtiger Faktor. Aber wenn wir jetzt zum Beispiel sagen, wir wollen einen Lametta-Vorhang, dann brauchen wir eben einen Lametta-Vorhang, der eben B2, also feuerfest ist.

Interviewpartner Feuerfest und Geld ist eigentlich bisher so die einzige Einschränkung. Ansonsten sind wir eigentlich relativ – alle Entwürfe, die bisher existieren, glaube ich, sind ganz gut umsetzbar, auch in der Form, auch mit dem Budget, was wir haben. Und wir freuen uns einfach zu sehen, was da entsteht, weil wir einfach mit der Bühne natürlich Spaß haben wollen. Wie gesagt, diesen irgendwie kitschigen Revue-Charakter verbinden mit eben diesem ganzen Bayreuth-spezifischen Setting, und wir sind gespannt, was da entstehen wird.

Host Was ist euch beim Bühnenbild am wichtigsten?

Interviewpartner Wir haben zwei verschiedene Aspekte auf einer technischen und zwei auf einer inhaltlichen Ebene, die das Bühnenbild sehr stark bestimmen. Die inhaltliche Ebene hast du gerade schon wunderbar angesprochen. Wir verbinden eben diesen vielleicht auch etwas kitschigen, showhaften Revue-Charakter mit dem Gravitas des grünen Hügels, den wir eben auch versuchen, mithilfe von Podesterie in einer sehr abstrahierten Form herzustellen. Also dass man auch wirklich ein Bühnenbild hat, so eine Mischung aus Chaos und Ordnung, was auch einfach eine architektonische Strukturiertheit hat. Und da sind wir eben dann bei der technischen Ebene. Wir haben in dem Stück sehr, sehr viele Zweiteilungen, wo die Bühne in zwei logische Räume unterteilt wird. Das heißt, man hat irgendwie ein Drinnen und Draußen, man hat zwei parallel ablaufende Szenen, man hat eben diese Singing in the Rain-Geschichte vor dem Vorhang, hinter dem Vorhang. Das heißt, wir planen mit einer flexiblen Möglichkeit, die Bühne auf verschiedenste Art und Weise in verschiedenen Richtungen in zwei Teile zu zerteilen, durch irgendeine Form von Vorhang, der aber auch wieder diesen Revue-Charakter auflöst – und das auch das Bühnenhafte. Es ist ein Stück, in dem wir über ein sehr, sehr wichtiges Musiktheater-Festspiel, Festival sprechen und handeln. Das heißt, eben dieses Bühnenhafte auszustellen, das Theater als Theater auf die Bühne zu stellen, ist ein ganz relevanter Punkt.

Host Sehr schön.

Host Wo wird die Bühne gebaut?

Interviewpartner Also ich denke, viele Sachen – also zur Frage, wie die Bühne gebaut wird: Es gibt jetzt keine direkten Werkstätten in der Form, von denen wir jetzt aktuell wissen, dass sie Zugriff haben. Das kann noch kommen, dann kann hier eine Korrektur ergänzt werden. Wir werden definitiv auch einiges bestellen müssen, würde ich davon ausgehen. Einiges ist auch schon da. Die Podesterie ist schon vorhanden im Friedrichsforum, dürfen wir verwenden. Und falls wir Wände oder Ähnliches bauen wollen, dann wird es eventuell auch einfach im Haus passieren, ist meine Vermutung aktuell. Da sind wir aber auch gerade, glaube ich, noch recht offen. Das Modell wird jetzt ja sozusagen in diesen Tagen entstehen, und abhängig davon werden wir dann sehen, wie genau es hergestellt wird. Die Devise, allein auch durch unsere Teamzusammensetzung geschuldet, ist: große Wirkung mit kleinem Aufwand.

Interviewpartner Genau, und ich denke, gerade auf kleineren Bühnen lohnt es sich auch einfach oft, dann viel mit Licht zu arbeiten und quasi Räume zu schaffen, ohne dass man sie aufbaut, sondern mehr dadurch, dass man sie auf eine bestimmte Weise erleuchtet. Dass Requisiten auch weniger eben aus der Mentalität des „Okay, wir haben hier eine Szene, die wir naturalistisch einrichten müssen" kommen, sondern Requisiten sind, glaube ich, ganz häufig auch einfach ein Slapstick-Element.

Host Gibt es bei eurem Probenkonzept Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Bühne?

Interviewpartner Also eine Herausforderung ist natürlich die vielen wechselnden Räume, in denen wir die Workshops gemacht haben. Das heißt, wir haben am 1. Juli das erste Mal die Gelegenheit, wirklich zu schauen: Funktioniert das auf dieser Bühne eigentlich? Weswegen auch gestern diese Besichtigung so wichtig war, wo wir eben zum Beispiel auch – wir hatten davor das Bedenken: Wenn wir jetzt 15 Personen auf diese Bühne stellen, ist die viel zu voll, ist die viel zu overcrowded? – wo sich gezeigt hat: zum Glück nicht. Wir kriegen das gut unter. Wir haben, glaube ich, eine ziemlich optimale Größe für diese Bühne. Aber natürlich, nicht genau zu wissen, wie es am Ende aussehen wird, bedeutet halt, dass wir in der Endprobenwoche den allergrößten Teil der Staging-Arbeit machen werden. Auch das ist okay. Ich denke, eine andere Herausforderung ist das Thema Umbauten, wo wir aber jetzt auch schon mehr oder weniger entschieden haben, dass wir es ja bewusst ausstellen. Also entweder sehr sichtbare Umbauten machen werden oder einfach wirklich sehr viel mit dem Theatervorhang arbeiten werden, so ein dramatisches Vorhang auf, Vorhang zu, einfach weil wir ja doch auch das Genre natürlich ausstellen. Und ich denke, da werden wir einfach mit allem ganz offensiv umgehen, was vielleicht da ansonsten eine Challenge wäre.


Host Und jetzt hört ihr ein Interview mit Marissa aus dem Bühnenbild-Team.

Host So, kannst du dich kurz vorstellen?

Interviewpartner Ja, also ich bin Marissa, und ich bin im Bühnenteam, gemeinsam mit – glaube ich, wir sind jetzt so sechs im Team. Und gemeinsam vor allem mit Tabea bin ich ein bisschen so diese leitende Position. Wir versuchen, alles ein bisschen unter einen Hut zu bringen und die Aufgaben zu verteilen, in Rücksprache natürlich immer mit unserem künstlerischen Team.

Host Was sind deine Vorerfahrungen?

Interviewpartner Meine persönlichen Vorerfahrungen sind vor allem hier an der Universität einige, viele Projekte. Und ich war auch schon ab und zu am Theater, habe da auch Assistenzen gemacht. Und dadurch bin ich sozusagen da reingekommen und bin interessiert daran, da mitzuwirken.

Host Ja, und warum hast du dich dafür entschieden, im Bühnenbild mitzuwirken?

Interviewpartner Ja, das kommt eigentlich daher, dass ich vor allem hier in den Uni-Projekten von der spielenden Seite irgendwann auch in den Hintergrund, hinter die Bühne gewechselt bin und in die Ausstattung. Und das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Und irgendwann bin ich da irgendwie hängen geblieben, und das macht immer noch sehr viel Freude. Und deswegen habe ich mir gedacht: Wenn ich wieder bei einem Projekt mitmache und es gibt den Bereich Bühne, dann bin ich da gerne mit dabei.

Host Und über die ersten Ideen – was waren denn die ersten Ideen des Bühnenbildteams?

Interviewpartner Die ersten Ideen haben sich so langsam entwickelt, weil das ja so im Workshop entstanden ist, das ganze Konzept. Und so mit der Zeit war so die Idee: Es geht vor allem um die Festspiele, um das Festspielhaus. Und dann war schon irgendwie so klar: Irgendwie möchten wir das Festspielhaus auf die Bühne bringen. Und das hat sich dann immer mehr gefestigt, bis es so die ersten Ideen waren, dann so irgendwie so das Haus hinzustellen, aber nicht so klassisch mit viel Konstruktion, sondern eher minimalistisch.

Host Aber habt ihr so Inspirationen?

Interviewpartner Also Inspiration – ich glaube, das Original-Festspielhaus war auch die größte Inspiration. Und ansonsten haben wir viel einfach aus den Ideen, die im Workshop entstanden sind, mitgenommen und haben uns da auch inspirieren lassen, was so in der Erarbeitung der Szenen auch entstanden ist, was man so als Anhaltspunkte nehmen kann und wie man es dann vielleicht auch mit auf die Bühne nimmt, zur Unterstützung. Also wir sehen das Bühnenbild auch als sehr unterstützend an.

Host Wie viel Zeit habt ihr in die Pläne investiert?

Interviewpartner Also wir haben vor allem viel während der Workshops erarbeitet. Das war wirklich die intensive Zeit der Planung. Und jetzt, so kurz vor den Endproben, sind wir eigentlich so ganz tief drin. Also jetzt geht es wirklich darum, die Sachen zu besorgen, vorzubereiten, Konstruktionen zu bauen. Und das steht jetzt alles an. Also jetzt ist eigentlich die große Vorbereitungsphase.

Host Aber gibt es eine größte Herausforderung?

Interviewpartner Ich glaube, die größte Herausforderung steht uns vielleicht auch noch bevor, mit den Endproben, wenn es sich dann zeigt, wenn alles zusammenkommt, ob das dann alles noch so stimmig ist oder ob man dann entscheidet: Okay, das passt vielleicht doch nicht so, und man nimmt es wieder raus. Oder man findet dann noch etwas, was dazugehört, und man muss es noch organisieren. Ich glaube, die Herausforderung steht uns bevor und [wird] vielleicht gemeistert. Die größte Herausforderung haben wir vielleicht jetzt auch schon: dass das Team jetzt so kurzfristig auch nochmal gewachsen ist um einige Personen, dass wir jetzt alle auf dem gleichen Stand sind und wirklich richtig durchstarten können.

Host Und gab es Ideen, die ihr verwerfen musstet?

Interviewpartner Ich glaube, so viele Ideen verworfen haben wir gar nicht, weil es wirklich parallel sich entwickelt hat in den Workshops. Während die Szenen entstanden sind, sind auch irgendwie die Ideen und Gedanken zum Bühnenbild entstanden. Vielleicht, was wir verworfen haben, war so Festspielhaus, Festspieleröffnung, der rote Teppich. Das war irgendwie schon so das erste: Wir müssen unbedingt einen roten Teppich haben. Aber davon haben wir uns dann doch irgendwie wieder verabschiedet, weil – zum einen vielleicht auch aus platztechnischen Gründen, aber auch vom Ästhetischen her: Rot passt einfach nicht so in unser Farbkonzept, das wir jetzt mit der Zeit entwickelt haben. Und dann haben wir gesagt, wir verzichten auf den Teppich.

Host Okay. Gibt es ja einige technische Einschränkungen, so Budget, Platz, Material. Wie habt ihr denn das gemeistert?

Interviewpartner Ich glaube, wir stehen noch gerade davor, es erst zu meistern. Aber die größte Herausforderung wird sein – da wir bisher ja nur ein einziges Mal vor Ort wirklich die Bühne gesehen haben und auch nur vom Plan her die Maße haben –, das jetzt wirklich auf Maß zu schneidern, zu bauen und dann hinzukommen, wirklich in die letzten paar Tage vorher, um zu sehen, ob das wirklich alles passt, ob man das einfach so umsetzen kann. Und das ist, glaube ich, die größte Herausforderung.

Host Okay, ja. Aber hat diese Erfahrung euer Interesse im Theater oder Design geweckt?

Interviewpartner Ich glaube, bei uns allen ist irgendwie das Interesse oder auch die Leidenschaft fürs Theater ja schon da. Und ich glaube, jeder, der jetzt in dem Bereich mitarbeitet, hinter der Bühne, habe ich das Gefühl, hat da auch irgendwie schon Bezug. Und ich kann mir auch vorstellen, dass viele das gerne weiterverfolgen und andererseits[?] es einfach nutzen, mal den Bereich kennenzulernen.

Host Was wollt ihr dem Publikum mit eurem Bühnenbild vermitteln?

Interviewpartner Ich glaube, das Bühnenbild soll ein bisschen mit unterstreichen, was das Konzept ist: dass es eine Stückentwicklung ist, dass es sich in den Workshops entwickelt hat und in den Endproben sozusagen zu einem Ganzen zusammengewachsen ist. Und so ist es an sich jetzt auch mit dem Bühnenbild, mit der Ausstattung, mit den Requisiten: Es sind viele einzelne Dinge, die jetzt am Schluss zusammenkommen. Und dass das sozusagen das Ganze unterstützt und man auch sieht, dass es ein Ganzes ist aus vielen kleinen Teilen, die zusammengehören.

Host Ja, super, ich freue mich. Und vielen Dank, Marissa.

Interviewpartner Sehr gerne.


Host Damit sind wir am Ende dieser Folge angekommen. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Tschüssi.

Host Bis dann.

Host Tschüss!

Folge 3 · 26:08

Der Probenprozess

Der Weg zur Premiere: Workshops über zwei Semester, wechselnde Spielorte und die intensive Endprobenphase.

Transkript lesen Barrierefreie Textfassung der Folge

[Intro-Gesang] „Der Wein, der rote Teppich, rote Teppich, die Bratwurst ist bereit. Es wird nur noch jeden sichernicht [?] gefallen, wie kommend in den heiligen Alltag [?] …"

Host Herzlich willkommen zur dritten Folge von Plötzlich Walküre – der Podcast. Heute sprechen wir über den Probenprozess des Stücks: Wissenswertes, wie wir dabei vorgegangen sind, und exklusive Einblicke in unsere Arbeit. Bei Plötzlich Walküre handelt es sich um eine kollaborative Stückentwicklung von Alumni der Musiktheaterwissenschaft mit Studierenden der Studiengänge Musiktheater und Theater und Medien der Universität Bayreuth. Das heißt aber auch, dass sich die Herangehensweise sehr von einer üblichen Inszenierung unterscheidet.

Host Hören wir doch mal rein, was unser Leitungsteam dazu zu sagen hat.

Interviewpartner Bei diesem Projekt gab es einen recht langen, beziehungsweise eher lang gestreckten Probenprozess. Das war von Anfang an geplant, also auch schon, als wir angefragt wurden: dass es drei Workshops geben wird, verteilt über zwei Semester, die auch mit Kursen verbunden sind, und dann eine anderthalbwöchige Endprobenphase, mit den Aufführungen dann am 10./11. Juli. Das heißt, wir haben uns von Anfang an ein bisschen einen Plan gemacht für die Workshops – was wir so in jedem Workshop schaffen wollen und zwischen den Workshops. Der erste war für uns sehr klar so ein sehr allgemeiner Assoziations-Zusammentrag-Workshop, wo wir einfach sehen wollten, was kommt so von allen mit rein. Wir machen erste Impro. Ich glaube, wir hatten auch vor dem ersten Workshop schon unsere Rahmenhandlung gestellt, wenn ich mich richtig erinnere. Aber sozusagen wirklich nur diese Rahmung von: Es gibt diesen Bodyswap, und unsere Musical-Darstellerin lernt eben die Stadt und die Festspiele etc. kennen. Ansonsten haben wir da noch nichts festgemacht. Bei diesen ersten Workshops dann eben all diese Sachen so zusammengetragen wurden. Wir haben so ein bisschen festgelegt, welche Themen wollen wir alle drin haben. Wir haben diese riesen Assoziationsaufgaben dazu gemacht. Dann haben wir bis zum zweiten Workshop eben das alles zusammengetragen, ein bisschen einen gemeinsamen Plan gemacht, die Rahmenhandlung konkretisiert mit all den Szenen, die wir da schon erarbeitet hatten, aus den Impros, die wir so gemacht hatten. Und dann haben wir zwischen dem zweiten – der jetzt, glaube ich, im Januar war, ja, das war schon länger her – und jetzt dann eben einige ausformuliert, die wir jetzt auch geprobt haben. Und bis zu der Probenwoche, die dann am 1. Juli losgeht, werden wir dann alles geschrieben haben, alles zusammengetragen haben und dann so richtig proben – und dann geht es ganz schnell.

Interviewpartner Was an den Workshops noch besonders war, ist, dass wir sehr viele unterschiedliche Räumlichkeiten genutzt haben. Der erste Workshop war im Theaterraum der Uni Bayreuth, der zweite war im Forschungsinstitut für Musiktheater in Thurnau, im Schloss Thurnau, und jetzt sind wir eben in, ich sage mal, Projektmanagement-Räumlichkeiten an der Universität. Und jede dieser Räumlichkeiten hat auch zu der jeweiligen Phase ganz gut gepasst, weil sie eben natürlich auch eine andere Stimmung sofort mit reinbringen, wenn man in einem großen historischen Saal ist oder in einem theatraleren Raum oder in einem Raum, der eher für kollaborative Arbeit geeignet ist. Und eben ab dem 1. Juli sind wir dann im Friedrichsforum vor Ort, wo dann, glaube ich, auch ganz von alleine diese Spannung entstehen wird, die wir auch brauchen, um in der zugegebenermaßen doch recht knappen Zeit ein anderthalbstündiges Theaterstück auf die Bühne zu stellen.

Interviewpartner Unsere Aufgabenverteilung ist in diesem Projekt tatsächlich gar nicht so strikt. Also das heißt, wir arbeiten alle bei allen Bauteilen mit, in unterschiedlichsten Formen. Also jetzt als Beispiel vielleicht: Im Bereich Musik hat sich das jetzt ein bisschen so eingebürgert, etabliert, dass wir alle erst Ideen für Inhalte sammeln, wir auch gemeinsam hier an der Dramaturgie, an den Szenen arbeiten, und dann jetzt zum Beispiel war es meistens so, dass Textbausteine oder Ideen und Ansätze kamen, vielleicht von Annabel oder auch von Jonas, dann einzelne Wagner-Motive – genau, Inspirationen, Ideen –, und ich das am Ende quasi dann in den Noten so ein bisschen fixiert habe. Aber auf die Art arbeiten wir eigentlich in jedem der Bereiche immer so, dass von verschiedenen Seiten verschiedene Ideen, Inspirationen kommen und wir quasi unsere Stärken in jedem dieser Bereiche kombinieren können. Und da passen wir drei irgendwie sehr, sehr gut zusammen. Und auch mit den Studis konnten wir da gut zusammenarbeiten, weil wir da sehr, sehr viel Material bekommen haben, sehr viel Inspiration auch bekommen haben.

Interviewpartner Genau, das heißt, jeder hat immer so ein bisschen einen Hut auf, so primär. Bei uns – das ist nämlich bei Nic am ehesten für die Musik, bei mir, ich glaube, eher für die Gesamtstruktur des Stücks, also diesen Szenenablauf und so, und von Jonas dann so die Umsetzung, gerade auch auf der Ebene Bühne, Theater, Didaktik und quasi so Körperarbeit, Raumarbeit. Genau, und das sind so die Bereiche, wo wir jetzt vielleicht alle so mit am meisten Erfahrung auch haben. Aber insgesamt geht es hier wirklich sehr – so wie du schon gesagt hattest – sehr zusammen. Und dann arbeitet man eben auch mehr an Texten zusammen oder eben an Szenen gemeinsam: Einer von uns schreibt es, dann arbeitet die nächste Person nochmal die Szene durch, und dann macht die dritte noch was anderes damit. Und ja, es ist auch sehr schön, auf diese Art einmal so zu arbeiten.

Interviewpartner Ich glaube, in unseren Orga-Meetings ist der wichtigste Satz: „Okay, also sind wir uns jetzt alle einig, dass wir das so machen?" Und dann nicken entweder die beiden anderen, oder jemand sagt: „Nee, da müssen wir noch weiter diskutieren." Und dann diskutieren wir noch weiter, dann kommt die nächste Iterationsschleife von: „Also sind wir uns jetzt alle einig, dass wir das so machen?"

Interviewpartner Ein Fallstrick von einem so selbstverantwortlichen Prozess ist natürlich eine Spontanität, die von uns gefordert ist. Ich erinnere mich noch, den ersten Workshop haben wir fast minutiös durchgeplant, dass wir gesagt haben: jetzt machen wir den Part, jetzt machen wir den Part – was eben gerade für den Anfang, für das Zusammenkommen gut funktioniert hat. Schon beim zweiten Workshop und jetzt beim dritten und auch dann in der Endproben-Woche haben wir aber gemerkt: Okay, wenn das passiert, müssen wir so drauf reagieren, eventuell passiert aber auch das, dann müssen wir so drauf reagieren. Das heißt, die Planung von unserer Seite wurde eigentlich mehr von einem „Das ist unser konkreter Plan" zu einem „So würden wir mit bestimmten Situationen umgehen" – was natürlich auch erfordert, dass die Kommunikation zwischen uns einfach gut, schnell und effizient funktioniert, weil wir eben während den Proben und Workshops auch ganz oft gesagt haben: „Ah, wir bräuchten hier jetzt noch anderthalb Stunden mehr Zeit für eine musikalische Probe", oder: „Hier müssen wir jetzt unbedingt über das reden." „Ja klar, dann machen wir das so, und du kümmerst dich jetzt schnell um das." Und da bin ich auch total froh, dass ich das mit euch beiden machen kann, weil wir auf der Ebene auch, finde ich, sehr gut harmonieren.

Interviewpartner Genau, ich denke, die größte Schwierigkeit in der Produktion ist wahrscheinlich, dass wir alle sehr vielbeschäftigte Menschen sind, und es ist manchmal tatsächlich einfach schwierig, dass wir gleichzeitig M[?] finden, wirklich kreativ an dem Projekt zu arbeiten. Was auch bedeutet – und das finde ich eigentlich ganz spannend –, dass wir relativ viel von dem Prozess asynchron arbeiten. Also das heißt, alle sich ihre eigenen Zeitslots finden und nehmen, und dann man eben, wie wir auch schon vorhin gesagt haben, eher iterativ arbeitet. Also eine Person schaut es sich an, dann schaut es sich die nächste Person an, und so wandert es durch die Hände, ähnlich wie es eben auch am Anfang im ersten Workshop schon passiert ist. Und so entsteht dieses Stück so ein bisschen im Kreis und verfestigt sich immer weiter, und es passiert quasi nicht, dass wir uns gemeinsam hinsetzen und jetzt von Anfang bis Ende dieses Stück niederschreiben und darüber diskutieren, sondern dass es wirklich nach und nach entsteht, was ich total schön finde.

Interviewpartner Ich muss kurz überlegen, wie ich das formuliere, dass es nicht falsch klingt. Also letztlich ist ja die Aufführung eben aufgrund unseres Prozesses auch einfach ein Stand, den dieses Stück haben kann. Es ist nicht unbedingt ein zwangsläufig logischer Endpunkt, sondern es könnte danach quasi theoretisch weiter iteriert werden – was es aber, glaube ich, auch reizvoll macht.

Interviewpartner Genau, also dadurch, dass es eine Stückentwicklung ist und nicht ein Stück, das wir jetzt schreiben, hinstellen, und dann proben wir das durch, und dann ist es genauso, wie es sein soll. Sondern es ist einfach was, was total organisch ist und was sich immer wieder weiterentwickelt. Und ja, das macht diese Stückentwicklung aus.

Interviewpartner Das sind die Worte, die ich gesucht habe.

Interviewpartner Möchtest du unseren HörerInnen mehr dazu erzählen, wie eine Probenphase in den meisten professionellen Häusern aussieht, damit sie ein besseres Bild davon bekommen?

Interviewpartner Ja, dort sieht das ja normalerweise ganz anders aus. In der Regel sind die Stücke ja aber auch schon fertig, wenn die Proben beginnen. Bevor die meist sechswöchige Probenphase losgeht, passiert schon total viel. Die Darstellenden lernen ihre Stücke und setzen sich intensiv mit ihrem Charakter auseinander, sofern sie diesen nicht schon gespielt haben. Im Musiktheater bringen Darstellende ja eben ein Repertoire mit, an dem sie sich immer wieder bedienen. Bereits im Vorfeld gibt es musikalische Proben mit dem Orchester. In den sechs Wochen geht es also eher um das szenische Geschehen, wo langsam alles zusammengebracht wird: Choreografie, Bühnenbild, Musik und Kostüme. Ein moderner Probenplan ist außerdem in der Regel auf die Minute getaktet – unter anderem, weil man arbeitsrechtlich gesehen aufpassen muss, alle vorgesehenen Pausen und Ruhezeiten einzuhalten. Das war bei uns ein bisschen flexibler. Früher wurde nur wenig szenisch geprobt, weil auf der Bühne viel weniger passiert ist. Die Darstellenden haben sich zum Beispiel viel weniger bewegt, da ging es viel mehr um generelle Sachen wie Auf- und Abtritte zur richtigen Zeit. Da wird den Darstellenden heutzutage viel mehr abverlangt. Es wird auch viel genauer auf Kleinigkeiten wie Mimik oder Gestik geachtet, die aber eine große Wirkung haben können. Aber es gibt einige Vorteile an einem Produktionskonzept wie dem von Plötzlich Walküre.

Interviewpartner Ja, das ist wahr. Alle sind eingebunden, und jeder hat Mitspracherecht und durfte etwas beitragen. Zum Beispiel war das mit dem Rap Battle meine Idee.

Interviewpartner Der große Vorteil an dem Probenkonzept, das wir gewählt haben, war, dass wir über diesen recht langen Prozess die Studierenden in jedem Schritt teilhaben lassen konnten. Also eben von Konzeption über Verfeinerung bis hin zu finalen Fragestellungen hatten wir dazwischen immer genug Zeit, eben auf die Ergebnisse aus den Workshops einzugehen, die zu verarbeiten, aber dann trotzdem immer an dem entscheidenden nächsten Punkt eben mit den Studierenden gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen, um auf die Art und Weise einen sehr kollaborativen, kollektiven Prozess zu ermöglichen, der es auch ermöglicht, dass die Studierenden eben in der Rolle, in der sie sich in der Produktion am wohlsten fühlen, wo sie auch am besten sind, eben auftreten können, um auf all die Talente, die hier schlummern, eben möglichst gut einzugehen.

Interviewpartner Ich denke, ein potenzielles Risiko war, dass es sich so ein bisschen verphasert, weil wir so große Abstände hatten zwischen den Blöcken. Das war, glaube ich, ein bisschen eine Sorge, die wir hatten. Aber dadurch, dass wir eben auch an diese Kurse angebunden waren, haben wir gesagt: „Nee, wir probieren das so." Das ist nicht wie bisher, so haben wir, glaube ich, alle noch nicht gearbeitet. Aber es war auch eigentlich ganz spannend, das mal so anders zu machen. Und das Risiko ist eigentlich nicht eingetreten. Also ich hatte das Gefühl, immer wenn wir wieder die Proben hatten, waren wir sehr schnell wieder am gleichen Stand. Und dadurch war auch Zeit, dass einfach wirklich was entstehen und auch greifen konnte dazwischen. Genau, das war so mein Eindruck. Hast du noch was?

Interviewpartner Genau, ich glaube, ein anderes Risiko in solchen kollaborativen Projekten ist auch, dass die Zuständigkeiten quasi, wenn sie nicht ganz klar sind, dass dann Dinge runterfallen. Und das fand ich ja auch ganz schön, dass das einfach sehr klar nicht passiert ist. Oder wenn, dann dass es sehr einfach war, da entgegenzusteuern. Also das heißt, ich hatte immer das Gefühl, dass, wenn irgendwas anstand, irgendeine Aufgabe zu machen war oder irgendein Bereich nicht gedeckt war, dass dann eine Person quasi sich das als Ziel gesetzt hat, sich der Aufgabe angenommen hat, und dadurch das Ganze relativ geradlinig funktionieren konnte.

Interviewpartner In der Arbeit mit Studierenden ist es ganz wichtig, dass man sich die Flexibilität erhält – auf der einen Seite frei zu sein, Dinge wegzuschmeißen, die nicht funktionieren, und auf der anderen Seite Dinge aufzunehmen, die vielleicht auch spontan gut funktionieren. Weil eben in der Arbeit mit semiprofessionellen AkteurInnen es natürlich ganz besonders wichtig ist, das auszustellen, was gut funktioniert. Und wie ich schon gesagt habe: Wir greifen auf unglaublich viele Talente zurück. Und es ist uns ein Anliegen, diese Talente zu nehmen und eben auch wirklich zu präsentieren, auszustellen. Da natürlich an der Stelle dann auch die Flexibilität zu sagen: Okay, wir müssen jetzt an der Stelle eine Szene umdenken, weil wir das ganz gern drin haben wollen.

Interviewpartner Ich denke, eine Sache, die wir auch schon mit dem Konzert gegangenen [?] Projekten [gemacht haben] [?], ist, wie schnell dann doch so ein ganzes Stück entstehen kann. Weil, wenn man so sagt, 90 Minuten Material ist ja schon auch viel. Aber es geht ja manchmal wirklich schnell, wenn man auch einfach sagt: Wir schreiben es jetzt nieder, wir probieren es einmal aus, wir machen damit eine Impro, gehen einmal drüber. Und jetzt gerade die Szenen – ich glaube, wir haben gestern noch, also jetzt nach der Probe, noch eine Szene angeschaut, die dann innerhalb von einer halben Stunde von „Hier sind die Textfragmente" zu „Jetzt ist die fertige Szene" gegangen ist, und danach haben wir noch den Song ergänzt. Also manchmal kann das auch wirklich wahnsinnig schnell gehen. Und ich glaube, sich da auch nicht immer zu sehr zu stoppen durch irgendwie eigene Ansprüche, die aber eigentlich immer schädlich sind, wenn man zu sehr sagt: Es muss jetzt sofort perfekt sein. Sondern erst mal zu probieren und es dann im Prozess zu seiner bestmöglichen Version zu bringen. Das sind Sachen, die wir, glaube ich, da sehr viel auch zusammen schon lernen konnten.

Interviewpartner Ein Stück kann bis zur Generalprobe immer noch komplett neu entstehen. Das ist nicht unbedingt was Gutes und nicht mehr [?] Anspruch für diese Produktion, aber auch das ist wahr. Also ja, genau.

Interviewpartner Also tatsächlich, ich kann mich eigentlich nur anschließen, aber ich glaube, das, was für mich immer am wichtigsten ist, ist, dass man einfach auch nicht den Kopf beh[?], egal was passiert. Weil es einfach – gerade auch wie in diesem Prozess mit den Workshops – wirklich jetzt jedes Mal so war, dass wir nach dem ersten Tag eigentlich unser ganzes Konzept f[?] den n[?] Tag umgeworfen und nochmal was ganz umgebaut haben. Also wir haben auch damit gerechnet, dass es passiert, aber es war auch einfach gut und wichtig, dass wir diese Flexibilität behalten haben, weil man darf dann einfach nicht in Panik verfallen, wenn man das Gefühl hat: Oh, das wird jetzt aber gar nicht mehr so funktionieren. Sondern man muss sich dann einfach drauf einlassen. Und manchmal ist tatsächlich weniger Plan wertvoller als viel Plan. Oder eben zumindest damit okay sein, dass Pläne sich ändern. Genau.

Interviewpartner Gerade quasi in diesem Kontext „Produktion mit Studierenden" war für mich dieser Rollenwechsel, den ich – oder wir alle – so ein bisschen durchlebt haben, eine ganz spannende Erfahrung. Weil eben die meisten anderen Projekte, die ich zum Beispiel im Theater am Campus umgesetzt habe, habe ich umgesetzt in meiner Rolle als Student mit anderen Studierenden, wo man auf einer anderen Augenhöhe ist, als wenn wir jetzt quasi in so einer Lehrpersonenrolle sind und ja auch quasi in so einer Seminarlogik eingebunden sind. Und ich glaube, so dieses: An welcher Stelle hat man allein durch diesen Rollenwechsel eine andere Distanz, an welcher Stelle ist diese Distanz vielleicht auch gar nicht verkehrt, um quasi nochmal mit einer anderen Perspektive auf Dinge draufblicken zu können. Das war für mich, glaube ich, erst mal eine Herausforderung, diese Rolle zu finden. Aber auch da, glaube ich, haben wir einen ganz guten Weg gefunden.

Interviewpartner Total. Und das ist, glaube ich, auch was ganz Spannendes. Das ist auch nochmal anders als in der Profiproduktion. Also wenn ich jetzt in der Profiproduktion eine musikalische Leitung mache, habe ich nochmal einen sehr anderen Blick, eine sehr andere Perspektive, als wenn es eben eine Dozierendenfunktion fast teilweise schon ist. Also sobald man mit Studierenden arbeitet und das Ganze auch in Seminarkontexte eingebunden ist, wie jetzt auch Jonas gerade schon gesagt hat – weil man einfach auch, also es fühlt sich an wie nochmal eine andere Verantwortung, und man ertappt sich manchmal dabei vielleicht auch, dass man Sachen auf eine andere Art sagt, als man sie vielleicht intendiert hat, was dann natürlich eine andere Wirkung hat als in einem Profikontext, wo die Umgangsformen nochmal andere sind. Also das ist auf jeden Fall sehr spannend, sehr herausfordernd, aber auch eine wirklich tolle Möglichkeit, nochmal in eine ganz andere Richtung sich zu verwirklichen.

Interviewpartner Und was habt ihr beiden mitgenommen?

Interviewpartner Was ich mitgenommen habe, war, im Team zu arbeiten. Jeder mit verschiedenen Erfahrungen. Ich denke, das war sehr interessant, und das macht Spaß.

Interviewpartner Genau, und auch viel über Podcasts gelernt und wie man ein Podcast-Konzept vorbereiten kann. Da ich noch nicht so oft in freieren und sich aus sich selbst entwickelnden Projekten gearbeitet habe oder mitgearbeitet habe, war das für mich neu. Und genau, aber jetzt in den letzten Wochen oder auch im letzten Workshop sind wir so schnell so weit gekommen, und das war echt beeindruckend. Also dann standen auf einmal ganze Szenen, und wir hatten auf einmal drei Chornummern, die wir schon super singen konnten. Und ja, es macht einfach auch wahnsinnig viel Spaß, so Teil dieses Entwicklungsprozesses zu sein und zu sehen, wie das ganze Stück langsam zusammenkommt. Jetzt befinden wir uns auch inzwischen in der Endprobenphase und dürfen auf die Bühne und können richtig anfangen, szenisch zu proben, und auch mit der ganzen Band – und das ist einfach ganz, ganz toll.

Host Peter Brook – das ist ein britischer Theaterregisseur – hat mal gesagt: „A play is not finished, it is discovered." Und genau so hat sich irgendwie dieser Stück-Entwicklungs- und Probenprozess so ein bisschen angefühlt. Und damit ihr euch ein bisschen besser vorstellen könnt, was ich damit meine, hat unsere liebe Kommilitonin Lissi einige Fragen von uns beantwortet und von ihren Erfahrungen berichtet.

Interviewpartner Mein Name ist Lissi Dierks. Ich studiere im vierten Semester Musiktheaterwissenschaft im Bachelor an der Universität Bayreuth. Ich komme gebürtig eher aus dem Norden, also aus der Nähe Hamburgs, und habe direkt nach dem Abi angefangen, hier in Bayreuth zu studieren. Mir war wichtig, dass ich mal ein bisschen rauskomme, und das habe ich, glaube ich, geschafft mit Bayreuth. Und genau, im Bereich Musiktheater habe ich vorher noch nicht so viele praktische Erfahrungen gemacht, außer einem Praktikum. Und ich freue mich, dass wir jetzt auch schon im Studium so super viele praktische Erfahrungen sammeln können. Ich konnte beispielsweise für dieses Projekt jetzt auch schon einen Artikel für den Nordbayerischen Kurier schreiben, der sich damit beschäftigt hat, wie wir heute mit Wagner umgehen. Ja, und ich freue mich, heute hier zu sein.

Interviewpartner Die Endprobenphase würde ich in einem Wort als stressig, aber auch wahnsinnig schön beschreiben. Waren jetzt doch mehr als ein Wort. Aber ja, man probt eben viel. Also wir haben das Friedrichsforum sieben Stunden am Tag reserviert. Je nachdem, wo man dabei ist, mal mehr, mal weniger. Aber es wird in der Endprobenphase eben alles, was man vorher in anderen Räumen sich vorstellen musste, dann tatsächlich in dem Bühnenraum realisiert. Und man bekommt ein genaues Bild davon, wie viel Platz man hat, wie das Bühnenbild so aussieht, wie die Kostüme aussehen. Man findet viel besser in die Rolle, man probt die Stücke, bis sie einem aus den Ohren rauskommen, damit dann tatsächlich am Tag der Aufführung alles sitzt. Und es ist wahnsinnig schön, einfach zu sehen, wie das, was wir uns vorher nur vorgestellt haben in den Workshops, jetzt Realität wird – und da einfach auch mitwirken zu können, was natürlich auch viel organisatorischen Aufwand drumherum beinhaltet. Also wir Studierenden machen ja auch noch verschiedene Vermittlungsformate, wie diesen Podcast hier. Wir haben noch das Programmheft gestaltet, was am Anfang der Endprobenphase natürlich in den Druck muss. Ja, und das bringt dann eben nochmal weitere Herausforderungen mit sich, die wir aber, denke ich, sehr gut gemeistert haben.

Interviewpartner Ein typischer Tag während der Endprobenphase sieht tatsächlich sehr unterschiedlich aus. Also es kann sein, dass man sieben Stunden im Friedrichsforum ist mit einer Stunde Mittagspause, oder dass man nur für eine Stunde kommen muss. Also das ist sehr variabel, je nachdem, in wie vielen Szenen man so dabei ist oder was man so macht. Ich stehe auch als Ensemble-Mitglied auf der Bühne, aber auch in der Band. Das heißt, für mich gibt es ein bisschen mehr Probenzeit. Wenn wir die Szenen mit der Band proben, bin ich dabei. Wenn wir Szenen, in denen ich Text habe, proben, bin ich dabei. Was ich aber wahnsinnig schön finde, ist, dass jeder Tag mit super viel Musik verbunden ist. Also weil wir eine Revue machen, wird viel musiziert, es wird auch viel experimentiert und viel gelacht. Und die größte Herausforderung ist, glaube ich, alle unfertigen Fäden jetzt in der Endprobenphase zusammenzuführen. Also alles, was man sich so überlegt hat, jetzt tatsächlich auch zu realisieren und zu sehen, wie viel Arbeit das ist – also einerseits auf der Bühne, andererseits an Konzepten drumherum. Ich glaube, viele von uns machen das einfach auch zum ersten Mal, ausgenommen natürlich unser künstlerisches Leitungsteam. Aber jetzt eben diese Arbeit da reinzustecken, die dem Projekt eben auch gebührt, und gleichzeitig noch weiter zu studieren, ist herausfordernd, da wir jetzt auch unsere Klausuren schreiben. Aber bis jetzt meistern wir das eigentlich alle ganz gut.

Interviewpartner Ich erlebe die Arbeit im Team als sehr harmonisch. Ich glaube, wir sind eine gute Gruppe und über die letzte Zeit auch viel gewachsen. Dadurch, dass wir ja auch alle uns schon aus dem Studium kennen, ist es natürlich auch hilfreich, dass man irgendwie an einem Strang zieht und zusammenhält. Und Momente, in denen ich das besonders merke, sind vor allem, wenn jemand sehr gestresst ist, wenn jemand vielleicht gerade nicht mehr so motiviert ist, dass dann eben immer Leute einem unter die Arme greifen, fragen, wo man noch helfen kann, oder einfach einmal eine feste Umarmung für einen haben, die einen wieder ermutigt. Und das schätze ich wirklich sehr an unserem Team.

Host Habt ihr denn Erfahrungen mit kollaborativen Stückentwicklungen im Vorfeld?

Host Ich auf jeden Fall. Ich habe beim TJG in Dresden, im Theater Junge Generation, an einem Stück mitgearbeitet. Da ist die Organisation so, dass sich ein Ensemble bildet, und dann gibt es ein Überthema und eine Theaterpädagogin oder einen Theaterpädagogen und noch eine Dramaturgie-Person. Und die entwickeln dann zusammen mit den meist Jugendlichen ein Stück. Und da haben wir auch verschiedene Arten des Probens ausprobiert. Wir haben zum Beispiel – und das war richtig interessant – mal gelarpt. Also wir haben ein Live-Action-Role-Play (LARP) gemacht. Das war ein Stück, das in einem Labor spielen sollte, meine ich. Es ist auch schon einige Jahre her. Und genau, wie gesagt, es gab natürlich keinen Text vorher, sondern nur dieses Überthema. Und dann haben wir alle Rollen bekommen und Kostüme und haben mit Tape auf der Probebühne die Räume geklebt und festgelegt, wo was ist. Und dann haben wir einfach drauflosgelarpt und haben da wirklich, ich glaube, zwei oder drei Tage in Folge mehrere Stunden lang in diesem fiktiven Kosmos einfach interagiert und geschaut, welche Situationen sich ergeben. Und daraus dann gelernt und ein Konzept entwickelt. Und ich weiß gar nicht so genau, was – also ich nehme an, die Dramaturgin und die Theaterpädagogin, die haben einfach uns zugeschaut und vielleicht Plotpoints übernommen, die man dann in die Inszenierung hätte packen können. Die Inszenierung kam nämlich leider nicht zur Aufführung. Deswegen kann ich gar nicht sagen, was daraus übernommen wurde und was nicht. Aber genau, für uns war es tatsächlich wahnsinnig anstrengend, weil, so lange in einem Charakter zu sein und dann auch noch auf so einer dunklen Probebühne, und es gab auch viel Drama irgendwie, das sich so entwickelt hat. Also das ist voll der Selbstläufer gewesen, und es haben sich einfach richtig coole Situationen gebildet, und ich nehme an, die wurden dann einfach als Inspiration genutzt für den Stücktext. Weil, ja – die Schreibarbeit haben wir in dem Sinne gar nicht übernommen, sondern wir haben einfach unsere Körper und unseren Geist geliehen, um Situationen zu produzieren, die man dann aufschreiben kann.

Host Ich habe eine interessante Erfahrung in Brasilien, in meiner Heimat. Das war im Jahr 2021, in der Pandemie. Und ich war Teil von einem Projekt, einem pädagogischen Projekt für junge Künstler, fast wie ein Open Studio, und wir haben eine Produktion zu Hause – jeder zu Hause – aufgenommen, und ich war Susanna in „Le nozze di Figaro". Und ja, das war sehr interessant, so wie wir das vorbereitet haben, und alle unsere Proben bei Zoom. Und genau, am Ende war es live auf YouTube, und genau, es war eine gute Erfahrung für mich. Ja, genau.

Host Ja, genau. Also ich habe jetzt nicht spezifisch eine Stückentwicklung, aber ich war Projektleitung unseres Abi-Films während des Abiturs. Und das war tatsächlich ähnlich von der Ideenfindung und von der Gestaltung her, wie wir es jetzt bei Plötzlich Walküre gemacht haben, dass wir uns quasi zusammengesetzt haben. Leute hatten Ideen für Szenen, Leute hatten Ideen für den Plot und so. Und mein Projektpartner und ich haben uns dann quasi hingesetzt und daraus ein Skript geschrieben. Und es hat meistens minder gut funktioniert. Aber im Endeffekt ist was dabei herausgekommen, und das ist ja die Hauptsache. Ja, tatsächlich auch einfach aus Zeitgründen, weil, wenn du Abitur machst, hast du keine. Ja, das war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung.

Host Das war jetzt leider die letzte Folge von Plötzlich Walküre – der Podcast. Und ich hoffe, ihr habt einiges gelernt, mitgenommen und freut euch auf die Premiere. Bis dann! Tschüss! Ciao! Ciao!